NUWELA München
Verfasser: Michael Wenzel, Julian Numberger
Mitarbeiter: Tobias Hoffmann, Lara Brenzing, Pia Winder
Fachplaner:
Die Planungsidee für den Alten Markt
Eine Bühne des städtischen Treibens
Mönchengladbach erhält eine solche neue Mitte am Alten Markt. Der Alte Markt als urbane Keimzelle von Alt-Gladbach und somit der historisch wichtigste Platz im Zentrum der Altstadt wird auch das Stadtherz genannt. Er stand immer und soll auch künftig im Mittelpunkt der Gesellschaft und des Stadtlebens stehen. Die bauliche Dichte, in Kombination mit der Vielfalt an Nutzungen wie Wohnen, Kultur, Bildung und Arbeiten birgt das Potential, an dieser Stelle einen lebendigen urbanen Ort langfristig zu sichern und zu stärken. Die historisch geprägte Fassadengestaltungen, die Nutzungen der aktivierten Erdgeschosse und die saisonale Inanspruchnahme des Platzes als Veranstaltungsfläche verdichten sich zu einem Ort, der nach einem klaren Platzentwurf sowie einem robusten und dennoch zukunftsfähigen Konzept verlangt.
Der Alte Markt, als hochfrequentierter Verbindungs- und Verweilort, soll daher zu einem schlichten, aber präzise entworfenem Tableau, einer Bühne für das städtische Treiben konzipiert werden. Ein Platz, der dem beschriebenen Begriff eines „Vieleskönners“ gerecht werden kann.
Das grüne Stadtherz für Mönchengladbach
Die große zentrale Figur des Alten Marktes löst den bisher primär verkehrlich genutzten Transitraum auf und definiert einen neuen Knotenpunkt der fußläufig erschlossenen Altstadt mit Toren zu den angrenzenden Gassen. In seiner Mitte entsteht eine lesbare und flexible bespielbare Fläche samt intensiv durchgrünter Intarsien: Das grüne Stadtherz für Mönchengladbach.
Durch die Baumsetzungen und dem entsiegelten, durchlässigen Untergrund innerhalb der neuen grünen Infrastruktur wird Schattenbildung und Kaltluftentstehung gefördert und damit zur stadtklimatischen Optimierung verholfen. Sie definieren die neue Mitte und laden zum Verweilen und Aufhalten ein.
Das anfallende Niederschlagswasser wird oberflächig in die grünen Intarsien geleitet, über die Vegetation gefiltert und dann versickert oder zurückgehalten. Dadurch wird nicht nur das städtische Kanalnetz entlastet, sondern vor allem auch die Grundwasserneubildung und mikroklimatische Kühlung gefördert.
Der Alte Markt als konsumfreier und demokratischer Ort
Trotz der hohen Dichte an konsumorientierter Außengastronomie strebt das Konzept nach einem demokratischen Ort für Alle. Ruheinseln als Rückzugsort und Treffpunkt, Sitzbänke im Schatten, der Brunnen als erlebbares Wasserelement und bedarfsgerecht zonierte Nischen brechen aus der gerasterten Ordnung aus und schaffen willkommene Orte des vielfältigen konsumfreien Aufenthalts.
So entsteht ein städtisches Zentrum, das sozialen, ökologischen und ökonomischen Herausforderungen der Zukunft gerecht wird.
Auszug aus der Beurteilung durch das Preisgericht
Der Alte Markt wird als urbane Bühne im Gegenüber zum Kirchplatz konzipiert. Eine Intarsie aus wassergebundener Decke mit locker verteilten Pflanzbereichen erzeugt ein großzügiges, belebendes und zukunftsweisendes Bild. Vielfältige, klimawirksame Gehölzpflanzungen gliedern den Raum in lichte und schattige Zonen, deren räumliche Qualität sehr positiv bewertet wird. Die Pflanzbereiche unterstützen mit ihrer gärtnerischen Anmutung glaubhaft die Aufenthaltsqualität und tragen zur Biodiversität bei. (…)
Die vorgesehenen Flächen für Außengastronomie erscheinen in Dimensionierung und Anordnung überzeugend; (…). Darüber hinaus stärken ausreichend vorhandene, nicht-kommerzielle Sitzgelegenheiten die Aufenthaltsqualität für die Stadtgesellschaft. (…)
Insgesamt gelingt es der Arbeit, auf dem Alten Markt eine ausgewogene Balance zwischen den Nutzungsangeboten für Aufenthalt, Gastronomie und Veranstaltungen herzustellen und mit ihrer räumlich konsequenten Haltung eine angemessene Bühne für die Stadtgesellschaft zu schaffen. Trotz Optimierungspotenzials im Regenwassermanagement vermittelt der Entwurf durch zahlreiche Gehölzpflanzungen und Staudenbeete eine glaubhaft positive klimatische Wirksamkeit.


