KRAFT.RAUM Landschaftsarchitektur und Stadtentwicklung, Düsseldorf
Verfasser: René Rheims
Mitarbeiter: Oskar von Wrede-Melschede, Greta Schejok, Lucia Neumann
Fachplaner: rendercircle
Die Planungsidee für den Alten Markt
Der Alte Markt ist ein hochfrequentierter Stadtplatz mit vielfältigen Nutzungsanforderungen. Neben den regelmäßigen Veranstaltungen und Festen muss die Platzfläche auch den alltäglichen Anforderungen gerecht werden. Die versiegelte Oberfläche im charakteristischen Schuppensegmentbogenpflaster der Altstadt unterstreicht die historische Platzfigur mit dem Rahmen aus Basaltplatten betont die einheitliche Gestaltung und bewahrt das traditionelle Erscheinungsbild. Gleichzeitig wird durch diese Gestaltung das barrierefreie Nutzungskonzept der Altstadt Mönchengladbach sinnvoll umgesetzt, sodass alle Nutzer:innen den Platz problemlos erreichen und nutzen können.
Der motorisierte Individualverkehr (MIV) wird vollständig vom Alten Markt verbannt, und auch der öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) wird auf ein Minimum reduziert. Diese Vorgaben der Ausloberin betonen die Bedeutung der Platzfigur ohne Trennung durch Verkehr und fördern eine ruhige, offene Atmosphäre. Für den Pendelbusverkehr sind dezente Wartedächer im Norden des Platzes vorgesehen, die den Raum für die Busse funktional und unauffällig gestalten. Zudem bietet dieser Bereich ausreichend Platz für Leihradstationen und andere Mobilitätsalternativen, um nachhaltige Fortbewegung zu fördern.
Um trotz des hohen Versiegelungsgrades die Klimaanpassungsziele zu erreichen, werden über 50 Großbäume auf dem Platz gepflanzt. Das neue Baumdach im Osten verbindet die heterogene Außengastronomie zu einer gestalterischen Einheit und bietet natürlichen Sonnenschutz sowie kühlende Wirkung. Dadurch werden auch die vormals stark abgrenzenden Windschutzeinrichtungen überflüssig. Ergänzend dazu sind Bauminseln und Einzelpflanzungen vorgesehen, die neue Nutzungsbereiche definieren und den Platz auflockern. Im Schutz der Bäume entstehen Spiel-, Bewegungs- und Aufenthaltsangebote, die die Aufenthaltsqualität deutlich erhöhen.
Die Ausstattungselemente orientieren sich am Gestaltungskanon der Altstadt und werden aus dem Motiv der Marktkiste entwickelt. Diese Referenz zur historischen Nutzung findet sich vor allem vor der Markthalle. Tische und Bänke laden hier zur Pause nach dem Marktbesuch ein, können aber auch als gesellige Treffpunkte genutzt werden, unabhängig vom Konsum.
Bei der Auswahl der neuen Baumpflanzungen wird auf Vielfalt und Standortverträglichkeit geachtet. Klimafreundliche Baumarten, die den Herausforderungen extremer Standorte gewachsen sind, werden in geeigneter Größe gepflanzt, um sofort positive Effekte zu erzielen. Für das nachhaltige Wassermanagement und die Gesundheit der Gehölze wird das Stockholmer Modell eingesetzt. Dieses ermöglicht permeable Beläge, flächige Retention von Niederschlagswasser sowie eine intelligente Bewässerung der Bäume, ohne Staunässe zu riskieren. Überpflasterbare Baumscheiben maximieren den nutzbaren Raum, während das Stockholmer Modell eine Schwammstadt-Strategie für gesunde Stadtbäume in urbanen Situationen darstellt. Die Fahrbahn für die E-Pendelbusse wird aufgrund von Verunreinigungen separat in den Kanal entwässert, um Belastungen für Grundwasser und Pflanzen zu vermeiden.
Das Highlight des Alten Markts wird ein neues Wasserspiel sein, das den alten, defekten Brunnen ersetzt. Durch eine feine Oberflächenmodellierung staut sich das Wasser an heißen Tagen und lädt zum Planschen ein. Groß und Klein kommen hier zusammen, um Abkühlung zu suchen und gemeinsam Spaß zu haben. Die Wasser- und Nebeldüsen sorgen für lebendiges Spiel und tragen nachweislich positiv zum Mikroklima vor Ort bei. Die Platzierung im Süden des Platzes macht das Wasserspiel zu einem zentralen Element, das sich harmonisch zwischen den Cafés und dem öffentlichen Raum einfügt. Die beiden Stufen dienen gleichzeitig der optischen Lenkung für Busfahrende und schaffen eine klare Raumführung. Bei Veranstaltungen kann das Wasserspiel ausgeschaltet werden, sodass die Fläche flexibel für Stände, Bühnen oder andere Nutzungen genutzt werden kann.
Die Neugestaltung der Altstadt verfolgt das Ziel, den historischen Stadtraum zukunftsfähig zu machen, indem der motorisierte Verkehr minimiert, Hitzeinseln reduziert und ein lebendiger Begegnungsort für alle Altersgruppen geschaffen wird. Dabei sollen die charakteristische Materialität und historische Elemente bewahrt bleiben, während neue Grünflächen, Bäume und multifunktionale Plätze die Aufenthaltsqualität erhöhen und das Mikroklima verbessern. Besonders der Alte Markt wird durch Baumpflanzungen, flexible Nutzungen und ein neues Wasserspiel aufgewertet, um die historische Atmosphäre zu erhalten und gleichzeitig moderne Anforderungen zu erfüllen. Die Verbindung der Plätze und Gärten schafft ein harmonisches, nachhaltiges Stadtbild, das sowohl für Veranstaltungen als auch für den täglichen Gebrauch geeignet ist. Insgesamt zielt die Planung darauf ab, die Innenstadt lebendiger, grüner und barrierefreier zu
gestalten, um die Bedürfnisse der Bewohner:innen, Besucher:innen und Akteur:innen optimal zu erfüllen.


