KOKOMO Landschaft und Stadtraum GmbH, Berlin
Verfasser: Deniz Dizici, Prof. Laura Vahl
Mitarbeiter: Leandra Dewitz, Björn Lotter, Elisa Franke
Fachplaner:
Die Planungsidee für den Alten Markt
Verweben von Geschichte und Gegenwart – Mönchengladbach neu entdecken!
Die Konzeptidee für die Gestaltung des Altstadteppichs bilden die Einmündungen der historisch gewachsenen Gassen, die das Raumgefüge aufspannen, gliedern und (vor)strukturieren. Zudem verstärken sie die Bezüge in die umliegenden Räume und Plätze und schaffen dadurch stärkere Verbindungen mit der Umgebung aufzubauen. Außerdem werden identitätsstiftende Elemente des Platzes in die Gestaltung integriert bzw. neu in Szene gesetzt. So wird z.B. aus den bestehenden Kleinsteinpflaster, im Segmentbogen verlegt, Salz und Pfeffer, indem das Material ressourcenbewusst aufgenommen wieder eingebaut wird – allerdings in einem anderen ungerichteten Muster. Gleichzeitig bezieht sich der Titel auf die gastronomischen Außenbereiche, welche ihre Aufstellflächen auf dem wieder verwendeten Kleinsteinteppich haben.
Andererseits werden andere Elemente, wie die skulpturale Uhr, an ihrem Ort belassen und dienen auch in Zukunft als Orientierung und Treffpunkt der Besucher*Innen der Altstadt.
MönchenGLADBACH – Wasser als Lebensgefühl und Ressource!
Das Wasser als über die Jahrhunderte hinaus gesellschaftlich verankerter kollektive Gut, welches tief im (historisch) städtischen Kontext verwurzelt ist und stets Räume der Begegnung und des Miteinanders geschaffen hat, soll auch zukünftig seinen Platz dort finden dürfen. Die ehemalige Viehtränke des Marktplatzes wird wieder zu einem Ort des Zusammenkommens, als Treffpunkt und BürgerInnenplatform in Form eines Sitz- und Liegepodestes, welches gleichzeitig zur kleinen Bühne umfunktioniert werden kann. Des Weiteren werden Orte des erlebbaren Wassers geschaffen – so lädt das verlegte Brunnenkunstwerk zur Erfrischung und Kühlung an heißen Tagen auf dem Marktplatz ein und über Wasserspiele am nördlichen Markteingang auf Höhe der Markthalle und am „Neuen Markt“, eine Platzaufweitung vor dem neuen grünen Museumstich schaffen spielerische Aufenthaltsorte, die die Umgebung Kühlen und Staub binden. Jedoch versteht sich das (Regen-)Wasser als wertvolle Ressource, die es unbedingt zu Nutzen gilt und stärker in das Bewusstsein der Nutzer*Innen und Besucher*Innen zu positionieren ist (z.B. wird ein Teil des ehem. Mauerverlaufs über eine spielerisch inszenierte Rinne markiert, die das Sammeln von Wasser und die Nutzung dessen in Pflanzbeeten sichtbar macht). Die Potentiale aus stadtökologischer und mikroklimatischer Perspektive müssen ausgeschöpft werden. Als unbedingt erforderliche Maßnahme zu dieser Thematik gilt zweifelslos die Vermeidung des Ableitens des Regenwassers ins Netz des Entsorgers. Das anfallende Regenwasser wird weitestgehend zurückgehalten, gesammelt und zur Bewässerung der Vegetationsflächen genutzt und damit der Verdunstung (und Kühlung!) zugeführt wird. Bevor es versickert und im Grundwasser „verloren“ geht. Gleichzeitig sind die neu geschaffenen Grünen Gärten auf dem Marktplatz kleine Pufferspeicher im Fall von Starkregenereignissen.
Die wenigen Bestandsgehölze werden behutsam in den Entwurf integriert und über neue Gehölze und Verdunstungsbeete ergänzt, welche für mehr Aufenthaltsqualität, Verschattung und einen niedrigeren Versieglungsgrad sorgen.
Better together – ein Raum für alle(s).
Neben ausreichend Platz für die bestehende Gastronomie werden nicht kommerzielle Aufenthaltsangebote in die Gestaltung integriert. Im Sinne eines Design-for All werden unterschiedliche Möbel entwickelt, welche von einer einfachen Bank, über Tisch-Bank Kombinationen zu einem Stadtsofa und dem Podest am Standort der Tränke reichen und unterschiedliche Angebote in der Sonne und im Schatten schaffen. Die Grünen Gärten leisten darüber hinaus einen Beitrag zur Ökologie und Biodiversität. Konzept versteht sich als optimal in sein Umfeld integrierten Lebensraum (One-Health-Ansatz), der das Wohlempfinden von Mensch, Tier und Umwelt eng zusammen denkt. Die Biodiversität der Pflanzung schafft nicht nur neuen Lebensraum für Insekten und Tiere, sondern auch ein gesundes Lebensumfeld. Andersherum profitieren die menschlichen Nutzer*innen von dem funktionierenden Ökosystem der Außenräume – u.a. Regulierung des Mikroklimas, Wasserspeicherung, Schattenspende – einen kleinen, aber bedeutsamen Beitrag zum Artenschutz, und dem Fortbestehen unseres Planeten, leistet. Das Projekt ist ganzheitlich im Sinne der Nachhaltigkeit angelegt: von der lokalen, diversen Pflanz- und Materialauswahl über die Schaffung flexibel nutzbarer, langlebiger sozialer Begegnungsräume bis hin zur Vorausschau bei der Materialwahl.
Der Marktplatz versteht sich als Fußgängerzone. Die Befahrbarkeit für Anlieferung erfolgt über den mit barrierefreiem und befahrbarem Plattenbelag ausgestattete westlichen Marktseite. Die Kleinsteinfelder reduzieren durch die Materialwahl die Geschwindigkeit. Dort befinden sich die Bereiche für Aufenthalt und Veranstaltungen. Ebenso wird im Bereich der Hindenburgstraße im Bereich des „Neuen Marktes“ bewusst über das Bodenmaterial die Geschwindigkeit reduziert. Die Feuerwehr erreicht problemlos die angrenzenden Gebäude durch den barrierefreien Bewegungskorridor entlang der Gebäude. Dort sind auch die Leuchtmittel angeordnet um eine sichere Querung auch bei Nacht und Dunkelheit zu gewährleisten. Punktuell werden Objekte, wie das Podest und das Cortenstahltor auf Höhe des ehemaligen Judentors auf der Hindenburgstraße illuminiert.


