GTL Landschaftsarchitektur Triebswetter, Mauer, Bruns Partner mbB, Kassel
Verfasser: Katrin Mauer
Mitarbeiter: Deniz Akman, Phan Do, Phillipp Schäfer, Zhenya Yurchick, Sara Abosekina
Fachplaner:
Die Planungsidee für den Alten Markt
Nutzungs- und Gestaltungskonzept
Der Alte Markt wird als lebendiger Stadtraum im Herzen Mönchengladbachs gestaltet. Ziel ist es, eine ausgewogene Balance zwischen gastronomischer Nutzung und konsumfreien Aufenthaltsqualitäten zu schaffen. Die intensive Belegung durch Außengastronomie bleibt wie im Bestand erhalten, da diese den Ort stark prägt und belebt. Sie wird jedoch durch ein großzügiges Angebot an frei zugänglichen Sitzgelegenheiten, grünen Inseln und schattigen Ruhebereichen ergänzt.
Der Raum wird durch großflächige Strukturen gegliedert, die Veranstaltungen – vom Wochenmarkt bis zum Stadtfest – ebenso ermöglicht wie den alltäglichen Aufenthalt. Durch die Integration von großzügigen grünen Flächen, die zentral auf dem Platz liegen, werden große, schattige Plätze erzeugt, die das Mikroklima auf dem Platz wesentlich verändern werden. So wird der Alte Markt zu einem Ort der Begegnung, der sich im Laufe der Jahreszeiten verändert und den unterschiedlichen gesellschaftlichen Bedürfnissen anpasst.
Vegetation
Die neuen, zentralen Grünflächen schaffen eine grüne Infrastruktur, die sich positiv auf das Stadtklima auswirkt. Durch den großen Schattenwurf und die Entsiegelung der Fläche wird das Entstehen von Hitzeinseln auf dem Platz reduziert. Es entstehen begrünte Inseln mit Stauden, Gräsern und standortgerechten Gehölzen, die sich gegenüber den veränderten Bedingungen durch extreme sommerliche Temperaturen, Dürrephase, Starkregenereignisse usw. am Standort unempfindlich zeigen. Resiliente Baumarten wie Hopfenbuche, Amberbaum, Silberlinden oder Schnurbaum sorgen für eine spürbare Verschattung und erhöhen den thermischen Komfort, insbesondere im Sommer.
Die Bepflanzung orientiert sich an biodiversitätsfördernden Prinzipien: extensive Blühflächen für Insekten, strukturreiche Bodenmodelierungen mit Retentionsfunktion und eine bewusst geschichtete Pflanzenauswahl bieten ökologischen wie ästhetischen Mehrwert und die Pflanzungen können sich langfristig etablieren, was den Pflegeaufwand wesentlich verringert.
Ausstattung
Die Möblierung unterstützt den offenen, städtischen Charakter. Formale Betonbankelemente mit organischer Geometrie entstehen aus der Einfassung der Grüninseln heraus. Sie fördern soziale Interaktion und ermöglichen eine flexible Nutzung – einzeln oder in Gruppen. Die Ausstattung verzichtet bewusst auf konsumgebundene Nutzungen und fördert eine niederschwellige Aufenthaltsqualität für alle Nutzergruppen. Die anschließende Grünfläche bietet den benötigten Schattenraum und die Verdunstungskühle der Pflanzfläche für den Aufenthalt im Sommer.
Ein Wasserspiel zwischen zwei Grüninseln bietet zudem eine angenehme Geräuschkulisse, einen Ort zum Spielen und zum Beobachten. Auch hier wird die Luft an heißen Tagen angenehm durch das verdunstende Wasser abgekühlt. Die Fontänen sind so im Boden eingelassen, dass sie keine Barriere bilden, wenn sie nicht im Betrieb sind. Dann entsteht hier Raum für Marktbuden oder für Publikum bei Veranstaltungen.
Spielpunkte, interaktive Kunstobjekte oder niedrigschwellige Bewegungsangebote können optional ergänzt werden. Mülltrennung, Sonnencremespender, Trinkbrunnen sowie taktile Elemente zur Orientierung ergänzen das integrative Ausstattungskonzept.
Beleuchtung / Illumination
Das Lichtkonzept basiert auf einer Kombination aus Bestandsleuchten und ergänzender punktueller Illumination. Bestehende historische Masten werden erhalten und technisch auf LED-Technik umgerüstet. Die Beleuchtung trägt zur sozialen Sicherheit bei, ohne die nächtliche Atmosphäre zu übersteuern.
Materialität
Die Wiederverwendung des ortstypischen Kleinsteinpflasters (Segmentbogenverband) ist ein zentraler Bestandteil des Materialkonzepts. Entnommenes Material wird sortiert, gelagert und gezielt in Bereichen der eher verkehrlich genutzten Bereiche wiedereingesetzt. Stärker frequentierte Nutzungen im Fußgängerbereich – insbesondere gastronomische Terrassen – erhalten einen Bodenbelag aus großformatigen Platten mit ebenem Fugenbild, da diese barrierefreier nutzbar sind. Die Übergänge zwischen Materialien werden durch taktile Elemente akzentuiert. Es entsteht ein fein abgestuftes, barrierearmes Belagsbild, das auf historischen Spuren aufbaut und eine moderne Interpretation erlaubt. Die wiederverwendeten Pflastersteine werden ungebunden verlegt, so dass Regenwasser in den Fugen versickern kann.
Verkehrsführung
Der Alte Markt soll dauerhaft vom motorisierten Verkehr freigehalten werden. Die Busführung wird wie geplant auf Parallelrouten verlegt. Nur definierte Liefer- und Rettungsverkehre sind zugelassen. Lieferverkehre sind zu dem zeitlich begrenzt. Radverkehr wird weiterhin ermöglicht, jedoch räumlich zurückhaltend integriert.
Die klare Priorisierung des Fußgängerverkehrs erhöht die Aufenthaltsqualität, fördert eine klimagerechte Stadtentwicklung und eröffnet neue Nutzungsräume im Zentrum.
Umgang mit dem Niederschlagswasser
Das Konzept setzt auf eine dezentrale Regenwasserbewirtschaftung. Die begrünten Inseln fungieren als Versickerungsmulden und Retentionsflächen. Ergänzend werden Rigolenstrukturen unterhalb der Platzfläche zur temporären Speicherung installiert. Die Oberflächenentwässerung erfolgt sichtbar über Mulden und Gefälleführung in bepflanzte Senken. Überschüssiges Wasser wird in die Rigolen geleitet.
Ein Überflutungsschutz für Starkregenereignisse ist integriert, ohne dass technische Elemente den gestalterischen Eindruck stören. Nur der Notüberlauf der Rigolen führt in den vorhandenen Entwässerungskanal. Der Alte Markt wird damit zu einem Modellraum für klimaadaptive Stadtgestaltung.


