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Anerkennung Trüper Gondensen und Partner mbB TGP Landschaftsarchitekten BDLA

Trüper Gondensen und Partner mbB TGP Landschaftsarchitekten BDLA

Verfasser: Tonio Trüper
Mitarbeiter: Juan Severino, Carlo Maiocchi, Milena Stolzenburg, Shresthankar Das Sankar
Fachplaner:

 

Die Planungsidee für den Alten Markt

Der Alte Markt als urbane Keimzelle von Alt-Gladbach und historisch wichtigster Platz im Zentrum der Mönchengladbacher Altstadt, zeigt sich heute mit einer überwiegend drei- bis viergeschossige Nachkriegsbebauung der 1950er und 60er Jahre. Ziel der Neugestaltung ist es, die Zeitschichten der Stadtentwicklung mittels einer zurückhaltenden zeitlosen Platzgestaltung zusammenzuführen. Gleichzeitig soll ein barrierefreier, verkehrsfreier und grüner Stadtmittelpunkt mit einer hohen Aufenthaltsqualität und eigenen Identität geschaffen werden.

Die Sandrad- und Hindenburgstraße sowie der Alte Markt werden als Fußgängerzone ausgewiesen. Die temporäre Befahrung von Versorgung- und Rettungsverkehr, der Anlieferung der Anlieger sowie dem Linienbusverkehr findet im Einrichtungsverkehr in Ost-West-Richtung statt. Auf dem Platz bewegt sich der Verkehr auf der Westseite nach dem Prinzip der gegenseitigen Rücksichtnahme (shared space) in Richtung Sandradstraße. Die Taxen erhalten ihre Standplätze in der Neustraße mit Abfahrt über die Abteistraße und in der Aachener Straße an der Einmündung zur Fußgängerzone. Eine Befahrung der Fußgängerzone mit Taxen ohne Sondergenehmigung ist nicht zielführend für eine fußgängerorientierte Innenstadt.

Die Sandrad- und Hindenburgstraße werden mit einem durchgängigen Belag aus dem Materialkanon der Innenstadt, den 40x40cm großen Basaltlavaplatten im Reihenverband gepflastert. Der Belag setzt sich entlang der Platzkanten auf dem Alten Markt gleich einem Bürgersteig fort und bildet einen Rahmen für eine Platzmitte aus Kleinpflaster. Gegenüber der Platzmitte ist dieser Umlauf vollständig verkehrsfrei. Die Basaltlavaplatten sind gesägt, geflammt und stellen einen gut begehbaren barrierefreien Belag dar.

Für die Pflasterung der Platzmitte wird das heute vorhandene Kleinpflaster aufgenommen, gemischt und in einem Netzverband neu verlegt. Die hellen und dunklen Steine der Segmentbögen werden mit dem Gedanken der nachhaltigen Nutzung von natürlichen Materialien zu einem Farbspiel Pfeffer-Salz in einem richtungslosen Netzverband neu zusammengefügt. Der Netzverband als richtungsloser informeller Pflasterverband kann die unterschiedlichen Zeitschichten der Platzbebauung über eine ruhige Platzmitte zusammenführen.

In der Sandradstraße beginnend führt ein grünbuntes Band aus linear gesetzten säulenförmigen Amberbäumen (Liquidamber Styraciflua ´Slender Silhouette´) mit einer Unterpflanzung aus Stauden und Gräsern über den Alten Markt, die Hindenburgstraße zum Johann-Peter-Boelling-Platz und abschließend in die Garten- und Parkanlagen des südlichen Stadthangs.
An stadträumliche Zäsuren ist das grünbunte Band von markanten Bäumen in Einzelstellung unterbrochen.
Neue Bäume und Bestandsbäume läuten die stadträumlichen Wechsel wie am Entree Aachener Straße, Übergang Waldhausener Straße zum Alten Markt, den Kirchhof Citykirche und die Öffnung zum Museum Abteiberg ein.
In seinem Verlauf ist die Staudenpflanzung zusätzlich zur Querung der Straßenseiten, der Platzmitte und zur Betonung von hervorgehobenen Gebäuden wie der Markthalle oder der Sparkasse unterbrochen und von Sitzbänken flankiert. Beschattet von den Amberbäumen bieten die Bänke mit oder ohne Rückenlehne Ausblick auf das Stadttreiben in der Fußgängerzone oder den Alten Markt.
Insbesondere mit ihrem schlanken Habitus und der markanten Herbstfärbung von tiefurpur, violett bis leuchtend gelb können die Amberbäume der Altstadt von Gladbach ein markantes Alleinstellungsmerkmal verleihen.
Auf dem Alten Markt fügt sich in das grünbunte Band eine große gemischte und frei angeordnete Baumpflanzung ein. Sophoren (Sophora japonica´Regent´), Gleditschien (Gleditsia triacanthos) und Judasbäume (Cercis siliquastrum) bilden ein lichtes lockeres Kronendach für die Gastronomie und Sitzbänke zur Platzmitte.

Die Vegetationsflächen und Baumgruben werden als große zusammenhängende Rigolen für das Regenwasser konzipiert. Das Oberflächenwasser der Straßen- und Platzflächen wird in die Vegetationsflächen oder über Übergabeschächte in die Baumrigolen geführt und steht dort den Pflanzen über einen langen Zeitraum und in Trockenperioden zur Verfügung. Als Teil einer grün-blauen Stadtökologie wird das Regenwasser nachhaltig vor Ort gehalten und den neuen großen Pflanzungen zugeführt.
Die neuen Baumpflanzungen werden in erheblichem Maße zur Verbesserung des innerstädtischen Kleinklimas beitragen und die Aufenthaltsqualität im Stadtraum deutlich erhöhen. Die ökologische Biodiversität wird insbesondere über die Wechselwirkung der Baumkronen mit der Unterpflanzung in hohem Maße gesteigert. Die Kronen dienen Insekten und Vögeln als kühler Rückzugsraum, während die Staudenpflanzungen Habitat und Nahrungsquelle darstellen.

Vis á vis zur Citykirche machen die Bäume Platz für ein großes Wasserspiel. Ein zum Kirchenraum geöffneter Schweif bildet den zentralen Anlaufpunkt auf dem Platz. 2-3m hohe Wasserbögen bilden ein wechselndes Wasserdach laden zum Spiel und zuschauen ein. In den Abendstunden sind die Bögen stimmungsvoll illuminiert. Das Wasserspiel ist bodeneben in die Platzfläche eingelassen und kann bei Veranstaltungen und in den Wintermonaten überfahren und barrierefrei genutzt werden.

Die freie Platzfläche innerhalb einer dicht bebauten Altstadt ist ´Raum zum Atmen´ und Raum für Veranstaltungen, wie den Weihnachts- und Wochenmarkt, das Stadtschützenfest, den Karneval und andere Stadtfeste.

Auszug aus der Beurteilung durch das Preisgericht

Der Entwurf begreift das Wettbewerbsgebiet zwischen Sandradstraße und Hindenburgstraße als ganzheitlichen Stadtraum. Dies wird durch lineare Baumsetzungen entlang der Sandradstraße, der westlichen Platzkante des Alten Markts, sowie der beiden Seiten der Hindenburgstraße verdeutlicht. Der Alte Markt wird als große, zusammenhängende und von den Platzkanten geschiedene Fläche mit richtungslosem Belag gesehen, in die von Osten Bestandsbäume und raumbildende Neupflanzungen in den Platz diffundieren. Einen starken Akzent bildet das große Fontänenfeld im südlichen Drittel des Platzes. (…)
Der Alte Markt erscheint als zentraler Anker mit einem barrierefreien Umlauf, der die an den Platz führenden Wegeverbindungen sinnfällig aufnimmt. Im Bereich des ehemaligen Judentores markiert eine Intarsie den Übergang zur Hindenburgstraße und die Verbindung zum Johann-Peter-Boelling-Platz. Die Varianz und Leichtigkeit der Baumsetzungen am östlichen Platzrand werden positiv bewertet. Ihr entsprechen die eingestreuten Rundbänke, welche den Platz mit nicht-kommerziellen Aufenthaltsangeboten punktuell bespielen. (…) Der Alte Markt ist so gestaltet, dass die bestehenden Außengastronomien, Veranstaltungen, Märkte und Nutzungsanforderungen mit nur geringen Einschränkungen integriert werden können.“
Trotz zahlreicher positiver Ansätze bleibt der Entwurf insbesondere zum Zentrum des Platzes und zur westlichen Platzkante hin ohne größere Aufenthaltsqualität und lässt Mut bei der Setzung größerer Grünstrukturen vermissen.

Was ist mg-act?

mg-act.de ist die städtische Internetseite für Jugendliche in Mönchengladbach.
Hier veröffentlichen Jugendliche ihre eigenen Text-, Hör- und Videobeiträge über alles, was sie interessiert. Außerdem kündigen wir Veranstaltungen und Workshops an, zeigen, wo was los ist und bieten Infos zum Leben im Netz und in der Stadt. Mitmachen? Aber bitte unbedingt!