A24 LANDSCHAFT Landschaftsarchitektur, Berlin
Verfasser: Jan Grimmek, Steffan Robel
Mitarbeiter: Ermal Molishti, Jingyun Yi, Courtney Jones
Fachplaner:
Die Planungsidee für den Alten Markt
STADTBÜHNE ALTER MARKT
Der Alte Markt wird zur urbanen Stadtbühne. Als identitätsstiftender und zentraler Platz war er schon immer Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens in der Mönchengladbacher Innenstadt. Unter Beibehaltung des spezifischen Altstadtcharakters werden zeitgenössische Akzente gesetzt. Der Platz formuliert die neue Visitenkarte Mönchengladbachs und stärkt zusammen mit den angrenzenden Stadtumbaumaßnahmen den Transformationsprozess der historischen Innenstadt.
Im Zentrum des Alten Markts entsteht eine zentrale Platzfläche als neuer Fokus im Stadtraum. Die selbstbewusste Formensprache mit abgerundeter Kontur hebt sich bewusst vom mittelalterlichen Stadtgrundriss ab und erhält so eine deutliche Eigenständigkeit, dennoch fügt sich die Formensprache wie selbstverständlich in die gewachsenen Strukturen ein. Ein breiter Rahmen aus großformatigen Natursteinplatten definiert die amorphe Platzform. Zum westlichen Rand verjüngt sich der Rahmen zu einer schmalen Rinne, während er entlang der östlichen Erdgeschosszonen eine breite Bewegungszone definiert. Die sich aus dem Rahmen entwickelnden Sitzstufen im Norden und Süden des Platzes schaffen eine starke Klammer und betonen die abgerundete Formensprache der Platzfläche. Im Schatten der Bäume entstehen informelle Sitzmöglichkeiten mit Blick über den Platz auf die markante Kirchensilhouette. Klassische Sitzbänke und Podeste mit Holzauflage werden in den Randbereichen verortet. Es entsteht ein alltäglicher Begegnungsort mit vielen nicht konsumgebundenen Aufenthaltsmöglichkeiten.
Die neue Raumaufteilung mit der offenen Platzfläche im Zentrum schafft eine klare Zonierung für unterschiedliche Nutzungsansprüche und vermeidet somit Konflikte zwischen konsumunabhängigen Nutzungen, Außengastronomie und saisonalen Veranstaltungen, ohne an Übersichtlichkeit und Großzügigkeit einzubüßen. Das Zentrum des Platzes wird bewusst offen und frei von Einbauten gehalten, um eine multifunktionale Bespielung durch unterschiedliche Formate ermöglichen zu können. Ein kreisförmiges Wasserspiel schafft einen attraktiven Anziehungspunkt auf dem Platz. Die außermittige Platzierung nimmt Bezug auf die Sichtachsen zur Kirche St. Mariä Himmelfahrt und zum Dicken Turm. Der flache Wasserfilm reflektiert den Himmel und sorgt für Lichtakzente. Ein zuschaltbares, niedriges Fontänenfeld sorgt für ein interaktives Element, das zum Spielen einlädt. Insbesondere in den heißen Sommermonaten wird das lokale Mikroklima durch die entstehende Verdunstungskühlung verbessert. Das bodengleiche Wasserspiel berücksichtigt die multifunktionalen Ansprüche an diesen zentralen Ort und kann mit einfachen Mitteln für Veranstaltungen abgeschaltet und beispielsweise in eine Bühne umfunktioniert werden.
Für den Bodenbelag wird das bestehende Kleinsteinpflaster mit gesägter Oberfläche wiederverwendet. Das Verlegemuster respektiert den historischen Bestand. Der markante Segmentbogenverband als wiederkehrendes Motiv innerhalb der Mönchengladbacher Altstadt wird beibehalten, das Pflastermuster jedoch gestalterisch zurückgenommen indem die Bögen aus dunklem Basaltpflaster zugunsten einer homogenen Oberfläche aus hellem Granit ausgetauscht werden.
Zusätzlich entstehen schattige, grüne Oasen auf dem Platz. Eine Intarsie aus wassergebundener Wegedecke mit einem lockeren Baumhain bietet Raum für Außengastronomie in einer stimmungsvollen, biergartenähnlichen Atmosphäre. Das lichte Blätterdach sorgt für eine natürliche Verschattung und Temperaturregulierung. Eine zweite kleinere Baumgruppe betont den räumlichen Abschluss am Südende des Platzes. Die neu gepflanzten Baumhaine mit heimischen, stadtklimaangepassten Baumarten aus Sorbus aucuparia heben sich in Habitus und Herbstfärbung von den straßenbegleitenden Baumpflanzungen aus Liquidambar styracifluaund und Bestandsbäumen ab.


