Franz Reschke Landschaftsarchitektur, Berlin
Verfasser: Franz Reschke
Mitarbeiter: Johanna König, Katharina Müller, Suzan Schwaner, Ana Beluse, Jacob Mayer, Felix Ridder, Claudia Köllner
Fachplaner: Isaplan Ingenieur GmbH
Die Planungsidee für den Alten Markt
Verkehrsbefreit und von Fassade zu Fassade aufgespannt wird der Alte Markt in seiner Rolle als Herzstück der Gladbacher Altstadt gestärkt. Er nimmt die Verknüpfungen aus dem Kontext auf und entschleunigt diese über ein zentral eingepasstes Tableau. Dieses fungiert als Bühne des städtischen Lebens. Das historische Motiv der Segmentbögen wird im Pflaster beibehalten und gibt dem Platz in seiner Dimension eine wohltuende Gliederung.
Mit dem Spiegelbrunnen entsteht ein belebendes Moment und ein neuer Treffpunkt. Mit dem Brunnenspiel, verortet im direkten Zusammenspiel mit dem historischen Brunnenschacht entsteht ein besonderer Ort auf dem Platz. Variierende Wasserbilder machen den Brunnen aus. Zusätzlich wird ein Trinkwasserbrunnen vor der Markthalle sowie am Platz an der Hindenburgstraße vorgesehen. Ein Passepartout aus Basaltplatten fungiert als Laufstreifen vor den Fassaden, nimmt funktionale Aspekte wie Beleuchtung und Fahrradabstellmöglichkeiten auf und schafft selbstverständliche Übergänge zum Kirch- und Kapuzinerplatz. Der Alte Markt erhält einen locker durchlässigen Rahmen aus stadtklimaverträglichen Laubbäumen (Quercus, Liquidambar). Der Übergangsbereich zwischen Rand und Platzbühne wird so attraktiv für öffentlichen Aufenthalt und gastronomische Nutzungen. Vier größere Pflanzflächen schaffen Grün auf Augenhöhe, gliedern den Stadtraum und tragen zur durchlässigen Rahmung des Platzes bei. Sie bilden einen (insbesondere aus Sitzhöhe) raumbildenden Rücken für die Bankstandorte an ihren Innen- und Außenseiten. Auf dem Platz finden neben dem tagtäglichen Stadtleben vielfältige und intensive Nutzungen statt – tageweise temporär wie saisonal andauernd. Die nutzungsoffene Platzbühne schafft eine Grundlage für all diese Ansprüche: sehr gut begeh- und berollbar und infrastrukturell ausgestattet. Die gastronomische Nutzung findet dabei auch weiterhin und noch besser ihren Platz unter dem Schatten hoher Bäume – idealerweise mit saisonal gestaffelter Ausdehnung der Freisitzbereiche. Der neue Spiegelbrunnen zitiert und interpretiert den Formenreichtum der Fassaden und Gewölbe der Kultur- und Sakralbauten auf dem Abteiberg. ‚Im Betrieb‘ ist der Brunnen ein vielfältiger sozialer Spielraum in der Stadt – niedrigschwellig und barrierefrei erreichbar, Nebel, Fontänen und eben der ‚Spiegel‘. In Basalt gearbeitet bietet die steinerne Fassung auch im Herbst eine gewisse Wärme, die Fläche lädt auch dann zum Spielen ein. Der informelle aber bedeutende Treffpunkt ‚an der Uhr‘ – am Eingang zur Waldhausener Straße bleibt erhalten.
Auszug aus der Beurteilung durch das Preisgericht
Das derzeit sehr heterogene Raumgefüge erhält eine neue Platzmitte mit Aufenthaltsqualität. Durch seine Neuordnung wird der Johann-Peter-Boelling-Platz zu einem wichtigen Bindeglied im Raumgefüge qualifiziert. Die drei wichtigen öffentlichen Gebäude Museum, Gymnasium und Haus Erholung erhalten jeweils einen angemessenen Vorbereich. Die Platzmitte wird zum ‚Grünen Salon‘ und bietet Aufenthalt für die Nutzenden der anliegenden Gebäude sowie für Passanten. (…)
Die mittige Platzfläche erhält durch die Rahmung mit Bäumen und Pflanzflächen einen intimen Charakter, ohne dem Platz seine Übersichtlichkeit zu nehmen. (…) Die zum Museum gehörige großzügige Wiesenfläche bleibt in ihrer räumlichen Ausprägung erhalten (…). Die zurückhaltende Qualifizierung der Fläche durch Baumneupflanzungen sowie Pflanzflächen stärkt deren Charakter. Das Entrée zum Haus Erholung wird grüner gestaltet, der vorhandene Höhenunterschied weiterhin durch eine Treppen- und Rampenanlage überwunden. Insgesamt werden die notwendigen Verkehrsflächen möglichst zurückhaltend gestaltet und in die arrondierte räumliche Figur eingeordnet. (…)
Insgesamt wird die vorliegende Arbeit von der Jury als sehr guter Beitrag zur Neuordnung der Flächen auf und um den Johann-Peter-Boelling-Platz betrachtet. Die neue Flächenaufteilung führt zu schlüssigen, räumlich angemessenen Situationen, der Platz erhält durch die Umgestaltung einen deutlichen Mehrwert.


